Wie finde ich die richtige Mediatorin oder: Was Konfliktparteien alles (nicht) wissen möchten

13. Juli 2016, geschrieben von 

Der Anfang ist immer das Entscheidende; hat man's darin gut getroffen, so muß der Rest mit einer Art von innerer Notwendigkeit gelingen…


(Theodor Fontane)

Es gehört zum Alltag einer Mediatorin bei Anfragen nach Mediation relativ zügig und unvermittelt recht viel von einer mir gerade noch unbekannten Person zu erfahren. Jemand ruft mich an, weil er auf der Suche nach Unterstützung in einem Konflikt ist. Er hat vielleicht länger überlegt, ob Mediation das richtige sein könnte. Hat recherchiert, wer dafür in Frage kommen könnte – oder eine Empfehlung eingeholt. Hat innerlich schon formuliert, was er sagen und fragen möchte. Ich als Mediatorin bin gerade mittendrin in irgendeiner Aufgabe in meinem Büro, wenn das Telefon klingelt. Und dann ist da oft ein großes Mitteilungsbedürfnis – zu erzählen, was passiert ist, was einen belastet und was den Konflikt so schwierig, ja unerträglich macht. Zu fragen, ob und wie Mediation hilfreich sein könnte. Rat zu erhalten, wie denn die andere Person für eine Mediation gewonnen werden könnte. Dann gilt es, eine gute Balance aus „Ins-Gespräch-Kommen“ und „Nicht-Zuviel-Erfahren“ miteinander zu finden.

Umso verblüffter war ich jüngst ob einer Anfrage, bei der nichts dergleichen stattfand, sondern umstandslos eine Terminvereinbarung angesteuert wurde. Keine Frage nach der Eignung von Mediation für den fraglichen Konflikt – da waren sich die Mediationsparteien sicher. Keine Frage nach dem Hintergrund der Mediatorin – die hatten die Mediationsparteien per Internetrecherche gefunden und waren mit den vorhandenen Informationen zufrieden. Kein Bedarf, vom Konflikt zu erzählen – das wollten die Mediationsparteien bewusst für die eigentliche Mediation aufsparen.

Diese kleine Überraschung sorgt dafür, dass ich mit frischem Blick auf diesen allerersten Anfang einer Mediation schaue.

Und so stehen meine – aus Erfahrung geprägten – Erwartungen an den gut getroffenen Anfang in Frage. Was ist eigentlich warum ein guter Anfangsmoment einer Mediation? Gibt es nicht noch viel mehr gute Anfänge als den „normalen“ Beginn?

Letzte Änderung am 17. Januar 2017
Kirsten Schroeter

… hat es beruflich mit Konflikten in Organisationen und Unternehmen zu tun, aus Überzeugung nicht auf eine Branche spezialisiert, sondern auf die Qualität der fachlichen und zwischenmenschlichen Zusammenarbeit und der Kommunikation. Sie bildet Menschen in Konfliktberatung und Mediation aus. Und mischt bei der Weiterentwicklung des Berufs „Mediatorin“ mit – vernetzend (in der Regionalgruppe Hamburg im Bundesverband Mediation) und schreiberisch (Mitherausgeberin der „Interdisziplinären Studien zu Mediation und Konfliktmanagement“ bei Nomos sowie Mitherausgeberin der „Viadrina Schriftenreihe zu Mediation und Konfliktmanagement“ bei Metzner).

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