Hindernisse für eine Mediation – vom Nutzen des Perspektivwechsels für Mediatoren

19. April 2017, geschrieben von 

Ein wesentliches Wirkprinzip der Mediation basiert darauf, dass Menschen (wieder) dazu in die Lage versetzt werden, die Sicht des anderen nachvollziehen zu können, ihre eigene Perspektive und die des anderen einnehmen zu können, mehr als eine Sicht auf die Situation, den Konflikt und die jeweiligen Anliegen der Beteiligten zu sehen. Wie dies gelingen kann, ist ein maßgeblicher Teil von Mediationsausbildungen und oft im Kern der Faszination für dieses Verfahren.

Im Laufe einer Mediationsausbildung wird erfahrungsgemäß eine weitere Frage für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer immer relevanter: Wie gelingt es ihnen, nicht nur im Seminar, im Rollenspiel, im besonderen Schutzraum von Übungen, das gelernte Handwerkszeug anzuwenden? Wie kommen sie an die „echten“ Konflikte im realen Leben, draußen in der Wirklichkeit? Wann können sie endlich „richtig mediieren“?

Kreative Ideen werden ausgeheckt, Mundpropaganda betrieben, schöne Flyer verteilt – erste Anbahnungsgespräche laufen, über zwei bis drei Ecken tauchen erste Möglichkeiten am Horizont auf. Doch nicht selten zerplatzen sie wieder wie Seifenblasen: So schlimm sei es doch nicht. Man wolle es erst einmal weiter so versuchen. Nein, der andere wolle partout nicht – leider nichts zu machen. Die Teilnehmenden berichten das in einer Mischung aus Enttäuschung und Unverständnis. Wie kann man sich diese Chance für eine Klärung, für eine Unterstützung entgehen lassen? Ja, wie eigentlich?

Vielleicht hilft auch da der Wechsel der Perspektive: Wann war ich zuletzt Partei in einer Mediation? War ich es je? Warum eigentlich nicht? Welcher meiner Konflikte hätte denn – in der Rückschau betrachtet – von einer Mediation profitiert? Wie hätte ich reagiert, wenn unverhofft ein Mediationsangebot des Weges gekommen wäre? Was hätte mich zusagen oder zögern lassen? Was wäre aktuell das, was ich in eine Mediation einbringen würde? Könnte ich mein Gegenüber ohne Weiteres davon überzeugen, dass wir uns in eine Mediation begeben? Was, wenn jemand auf mich zukäme mit der Idee, für unsere weitere Auseinandersetzung Unterstützung dazu zu holen?

Mich machen diese Fragen regelmäßig vorsichtiger, ja bescheidener im Bewerten von Absagen an die Mediation. Und Sie?

Letzte Änderung am 19. April 2017
Kirsten Schroeter

… hat es beruflich mit Konflikten in Organisationen und Unternehmen zu tun, aus Überzeugung nicht auf eine Branche spezialisiert, sondern auf die Qualität der fachlichen und zwischenmenschlichen Zusammenarbeit und der Kommunikation. Sie bildet Menschen in Konfliktberatung und Mediation aus. Und mischt bei der Weiterentwicklung des Berufs „Mediatorin“ mit – vernetzend (in der Regionalgruppe Hamburg im Bundesverband Mediation) und schreiberisch (Mitherausgeberin der „Interdisziplinären Studien zu Mediation und Konfliktmanagement“ bei Nomos sowie Mitherausgeberin der „Viadrina Schriftenreihe zu Mediation und Konfliktmanagement“ bei Metzner).

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