Rollenvielfalt und Rollenklarheit interner Mediatorinnen oder: Wie viele Hüte passen auf einen Kopf?

08. März 2017, geschrieben von 

Mediationsaus- und weiterbildungen sprießen aus dem Boden. Im Jahr 2013 hat die Stiftung Warentest einen (durchaus umstrittenen) Vergleich von 145 solcher Weiterbildungen vorgenommen – und das war nur ein Teil des bundesdeutschen Angebots in diesem Feld. Nach wie vor interessieren sich viele Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen und mit diversen Hintergründen für das Erlernen des Mediationsverfahrens und der Rolle als Mediatorin.

 Viele Ausbildungsteilnehmende möchten davon in ihrem privaten und/oder beruflichen Nahbereich profitieren. Sie haben ein Interesse, das Gelernte unmittelbar einzusetzen. Gerade im Arbeitskontext wird diese Zusatzkompetenz oft bereitwillig angenommen – und so kommt es, dass diesen Menschen schnell neben ihrer eigentlichen Arbeitsaufgabe noch eine weitere Rolle zugeschrieben wird, nämlich die einer Konfliktanlaufstelle. Und die hat es – im Vergleich zu einer externen Mediatorin – mit einer ganz anderen Gemengelage zu tun.

Sie ist Kollegin der Konfliktbeteiligten – wenn auch, je nach Größe der Organisation, möglicherweise in keinerlei alltäglichem Arbeitszusammenhang. Sie ist möglicherweise einer bestimmten Teilgruppe in der Organisation und deren spezifischer Kultur (dem Vertrieb, der Verwaltung, dem Einkauf, der Forschungsabteilung…) zugehörig und weiß um spezifische Besonderheiten in diesem Bereich. Sie gehört einer spezifischen Statusgruppe an – ist möglicherweise Führungskraft und steht mit dieser Gruppe in besonderem Zusammenhang. Sie hat möglicherweise schon spezifische Zusatzrollen – als Beauftragte für Gleichstellungsfragen, als Betriebsrätin, als Vertrauensperson. Sie gehört aufgrund ihrer Betriebszugehörigkeit zu einer spezifischen „Generation“ im Hause, kennt Menschen und Unternehmensentwicklungen aus „ihrer Zeit“ in besonderer Weise. Und, und, und.

Kurz: Sie ist in komplexer Weise mit dem System verbunden – das birgt besondere Chancen, Vertrauensperson im Konflikt sein zu können. Und es bringt besondere Herausforderungen mit sich für die Rolle als Konfliktberaterin und Mediatorin: Die Frage nach den Rollen oder nach den diversen Hüten, die sich dann auf meinem Kopf befinden  – und zwar nicht nur aus meiner eigenen Perspektive, sondern auch aus Sicht der Konfliktbeteiligten –, und nach deren Chancen und Grenzen ist zentral. Diese Frage kann – nach meiner Einschätzung – immer nur gemeinsam mit den jeweiligen Konfliktbeteiligten beantwortet werden.

Letzte Änderung am 04. März 2017
Kirsten Schroeter

… hat es beruflich mit Konflikten in Organisationen und Unternehmen zu tun, aus Überzeugung nicht auf eine Branche spezialisiert, sondern auf die Qualität der fachlichen und zwischenmenschlichen Zusammenarbeit und der Kommunikation. Sie bildet Menschen in Konfliktberatung und Mediation aus. Und mischt bei der Weiterentwicklung des Berufs „Mediatorin“ mit – vernetzend (in der Regionalgruppe Hamburg im Bundesverband Mediation) und schreiberisch (Mitherausgeberin der „Interdisziplinären Studien zu Mediation und Konfliktmanagement“ bei Nomos sowie Mitherausgeberin der „Viadrina Schriftenreihe zu Mediation und Konfliktmanagement“ bei Metzner).

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