Wirksamkeit von Beratung: Ein kollegiales Gespräch über Lust und Frust

25. Januar 2017, geschrieben von 

Bei einem großen Fachtag wo ich einen von mehreren angebotenen Workshops geleitet habe, war ich wie so oft sehr begeistert von den Teilnehmern. Wie sie sich durch Fragen und Beispiele aus ihrem Arbeitsalltag in den Workshop eingebracht haben und einander konstruktive Vorschläge zur Problemlösung anhand von eigenen Erfahrungen angeboten haben. Dieses so genannte „sharing“ empfinde ich als ein sehr großes Geschenk, wenn man Gruppen von Menschen zusammenbringt.

Themen werden dadurch lebendig und greifbar, und Workshopteilnehmer können unmittelbar von Erkenntnissen der anderen profitieren. Zu erfahren, dass es andere Wege gibt als die eigenen, macht die ersten Schritte in eine andere – neue – Richtung oft leichter und vermittelt ein Gefühl der Sicherheit, weil der Pfad ja schon betreten wurde.

So beschwingt ging ich an dem Tag in die Mittagspause und unterhielt mich mit einem Kollegen, der einen anderen Workshop leitete. Auch er hatte das Gefühl, dass gerade dieser Austausch zwischen den Teilnehmern sehr wichtig war, fügte aber dann hinzu, dass es auch manchmal frustrierend ist, immer wieder als Feedback zu bekommen, dass dieser Austausch zwischen den Teilnehmern für sie am wertvollsten war.

Mir ist dabei eingefallen, was eine sehr gute Kollegin und Freundin von mir dazu gesagt hat: Ja, aber wir stellen den Rahmen dar, der das möglich macht! Manchmal tut es vielleicht als Berater gut, sich das in Erinnerung zu rufen. Wir bieten eben einen Raum an, wo (andere) Dinge passieren können. Wenn wir mit unserer Haltung und unseren Interventionen und Methoden einen geschützten Rahmen anbieten, dann können sich Menschen andere Dinge erzählen, können sich dabei anders zuhören und das Gesagte anders wahrnehmen als im normalen Arbeitsalltag. Dieser sichere Raum oder Ort macht Dinge möglich, Ziele, Ressourcen und Menschen sichtbar. Wertvoll ist dieser Austausch ja vor allem auch deswegen, weil wir als Moderatoren nur für die Dauer des Workshops da sind, die Teilnehmer bleiben aber drin - und dran am Thema.

Also, liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn die Teilnehmer vom Austausch unter sich begeistert sind, dann können wir es als wunderbares Feedback und als Anerkennung unserer Arbeit annehmen.

Letzte Änderung am 26. Januar 2017
Mette Bosse

…arbeitet freiberuflich als Coach, Konfliktmoderatorin und Teamentwicklerin und leitet u.a. Seminare zu Konfliktmanagement im Career Center an der Hamburger Universität. Ursprünglich als Juristin in der dänischen Zentraladministration tätig hat sie mehrfach im Ausland gelebt. Hier sammelte sie vielfältige Erfahrungen, wie sich unterschiedliche Kulturen zueinander verhalten und interagieren. Ihr Anliegen ist es Menschen und Teams auf deren Weg zu begleiten, um Ressourcen und neue Wege zu erkennen und so neue Handlungsoptionen zu erschließen. Zuversicht, Wertschätzung und Resonanz sind dabei ihre wichtigsten Wertegrundlagen. Selbstreflektion und kollegialer Austausch bereichern und beflügeln ihre Arbeit.

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