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In einer Konfliktberatung begleite ich eine junge Mutter. Sie ist erschöpft – bei zwei kleinen Kindern und ihrer durchaus herausfordernden Berufstätigkeit kein Wunder. Sie ist jedoch auch zutiefst frustriert und resigniert: Wie in so vielen jungen Familien ist weder die Kinderbetreuung noch die Arbeit im Haushalt zwischen ihr und dem Vater der beiden Kinder gleich verteilt. Sie ist es, die nachts aufsteht, wenn irgendetwas ist, sie bleibt zu Hause, wenn eines der Kinder krank ist, der Vater war noch nie auf einem Elternabend in der Kita. So hatte sie sich das nun wirklich nicht vorgestellt. Und im Verlauf der Konfliktberatung wird deutlich: So hatte ihr Liebster sich das ebenso wenig vorgestellt. Sie hatten wie so viele werdende Eltern das Bild von gleichberechtigter Elternschaft.

In der vergangenen Woche gab es – mitten in einem Auftrag – einen dieser Momente, in denen ich mir beim Sprechen zuhörte und selbst etwas stutzte über das, was ich da ganz selbstverständlich und gelassen formulierte: „Es gibt bei meiner Arbeit ganz häufig Situationen, in denen ich über etwas spreche, von dem ich nichts verstehe.“

Es gibt ein wissenschaftlich mittlerweile recht gut beforschtes Phänomen in Konflikten, das den konstruktiven Umgang mit Konflikten im Alltag leider sehr erschwert: Wenn wir uns von unserem Gegenüber nicht gehört und verstanden, sondern vielmehr in unserem Standpunkt angegriffen fühlen, dann sinkt mit dem Grad unserer Emotionalität im Konflikt unsere Fähigkeit zum Perspektivwechsel – und somit unsere Fähigkeit, andere zu hören und zu verstehen. Als leidenschaftlich emotionaler Mensch habe ich es in so einigen Selbstversuchen erfahren: An dieser Theorie ist tatsächlich etwas dran.

Für Mediatoren ist die Antwort auf die Frage "Wer bestimmt, was in der Mediation zum Thema wird?" klar: Es sind die Konfliktparteien und nicht die Mediatoren. Nichtsdestotrotz lohnt ein näherer Blick. Auch wenn die Themen ausschließlich von den Konfliktparteien kommen und von ihnen auch zur Bearbeitung ausgewählt werden, so steuern wir Mediatoren doch mit. Doch wie genau entscheiden Mediatoren, was sie für ein geeignetes Thema für die Mediation halten?

Wenn wir die Berichte von Wissenschaftler*innen ernst nehmen, dann befinden wir uns in Zeiten einer Klimakrise: Wir müssen als Weltbevölkerung unsere CO2-Emissionen in den kommenden Jahren drastisch reduzieren, um eine Erderwärmung und die daraus resultierenden Folgen zu verhindern. Selbstverständlich wird sich dieser Klimawandel nicht durch individuelle Entscheidungen aufhalten lassen, sondern es bedarf konsequenten politischen Handelns. Dennoch möchte ich in diesem Blogbeitrag den ökologischen Fußabdruck unseres Berufs in den Fokus nehmen und meine Leser*innen zur Selbstreflexion anregen. – Dies als kleine Vorwarnung. Wer sich selbst nicht kritisch hinterfragen (lassen) möchte, möge also bitte schlicht nicht weiterlesen.

In Fortführung von Kirstens Beitrag „Mehr als ein (Einzel-) Vorgespräch: Ja oder nein?…“ wurde mir klar, dass mein Ausgangspunkt bezüglich Einzelgesprächen ein anderer ist. Gelernt habe ich bei meiner Ausbildung zur Konfliktmoderatorin (NaviKon®) als Grundregel, immer mit allen am Konflikt Beteiligten Einzelgespräche zu führen. Nach der Auftragsklärung sollen Gespräche mit allen Teilnehmern stattfinden, um anschließend eine Rückspiegelung an den Auftraggeber vorzunehmen, damit der im Vorfeld besprochene  Auftrag bei Bedarf verändert oder angepasst werden kann. Diese Prozessschritte dienen der Konfliktanalyse der Mediatorin und geben vor allem auch die Möglichkeit, frühzeitig den Auftrag in Berücksichtigung aller Konfliktbeteiligten formulieren zu können. Die Vertraulichkeit wird bei der Rückspiegelung dadurch gesichert, dass keine inhaltliche Wiedergabe der Gespräche, sondern ein übergeordnetes thematisches Feedback gegeben wird.

…es ist so eine Sache mit den Gefühlen in Mediationen. Immer wieder spüre ich bei den Medianten eine gewisse Unsicherheit, wenn es um Gefühle geht. Gerade zu Anfang mancher Mediationsprozesse höre ich von Medianten Sätze wie „Aber wir wollen doch hier sachlich bleiben“ oder „Aber es soll ja nicht privat werden“. In der Begrüßungsrunde wird manchmal angekündigt: „Ich habe mir fest vorgenommen, nicht zu weinen/nicht laut zu werden“. Oder es kommt, mittendrin unter Tränen, der Satz „Aber ich wollte doch nicht weinen!“. Genau so passiert es manchmal am Ende, dass jemand auf mich zukommt und sich dafür bedankt, dass es so gut geklappt hat, „auch wenn ich ja doch die Kontrolle verloren habe“. Sowohl die Tränen als auch die Wutausbrüche werden oft von einer Entschuldigung begleitet. Noch nie hat sich aber jemand bei mir dafür entschuldigt, dass er oder sie während der Mediation zu lieb oder zu freundlich war. Wir versuchen anscheinend, unsere starken Gefühle zu verbergen und zu kontrollieren; und wenn es uns nicht gelingt, entschuldigen wir uns.

Vielleicht kennen Sie als Mediatorin oder Mediator das auch: Am Ende eines intensiven Mediationstermins, in dem gerungen wurde um Verständnis für sich, füreinander und für eine konstruktive gemeinsame Entwicklung und in dem zwischenzeitlich vielleicht sogar fraglich war, ob es überhaupt voran – statt rückwärts, seitwärts oder im Kreis – gehen würde, sagt eine Partei im Rausgehen in Richtung der Mediatorin, zugleich leicht erschöpft und leicht lächelnd: „Na, Sie haben sich Ihren Feierabend jetzt aber auch verdient.“ Oder: „Was Sie sich alles anhören müssen bei Ihrem Beruf“.

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Ein angeregter Kneipenabend mit einer Kollegin. Sie arbeitet seit Jahrzehnten als Mediatorin und bildet fast genauso lange Mediator*innen aus. Als sie mir erzählte, dass sie noch nie selbst als Mediandin an einer Mediation beteiligt war, hätte ich ihr vor lauter Überraschung fast mein Bier ins Gesicht geprustet. Wie bitte?! Als sie mir auch noch versicherte, dass sie damit nun wirklich nicht allein sei, sondern die Ausbilder*innen, die selbst Erfahrung als Mediand*innen hätten, ihrem Eindruck nach sogar in der Minderzahl seien, war ich erst einmal sprachlos.

In meiner praktischen Tätigkeit als Mediatorin für Konflikte in Organisationen habe ich es mit sehr verschiedenen Konfliktthemen zu tun. Nichtsdestotrotz ist den Konflikten gemein, dass sie in der Regel wenig rechtlich durchgeformt sind: Meist sind noch keine Anwältinnen involviert oder gar ein Gerichtsverfahren anhängig.

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