Auf dieser Seite haben wir einige Kostproben unserer bisherigen Arbeit zusammengestellt, die einen kleinen Einblick in Inhalte und Methoden geben.

Mediationswerkstatt für Lehrkräfte

Viele Schulen in Hamburg haben ein großes Interesse daran, den Umgang mit Konflikten zu verbessern und dabei insbesondere die Schülerinnen und Schüler mit einzubeziehen. Seit etlichen Jahren werden deshalb Schülerinnen und Schüler zu Streitschlichtern ausgebildet. Die 1. Hamburger Mediationswerkstatt bot allen Aktiven und Interessierten ein Forum für den Austausch ihrer Erfahrungen mit Mediation.

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alamosbasement CC BY 2.0

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Im Mittelpunkt standen sowohl der Rückblick auf bisherige Erfahrungen und Schwierigkeiten als auch der Blick nach vorn: Was brauchen Schulen (noch) für die weitere Gestaltung eines konstruktiven Umgangs mit Konflikten? Eingeladen waren Schulen, an denen KOMET e.V. SchülerInnen und Lehrkräfte ausgebildet und begleitet hat, aber auch Schulen, die sich für Mediation interessierten und sich einmal aus erster Hand informieren wollten.

Eindrücke zum Verlauf

Eingangs beschreibt Tim Pechtold, wie sich in Hamburg die Einführung von Streitschlichtung an Schulen von einem „einfachen“ Training für SchülerInnen, mit dem vermeintlich das Problem der Konflikte gelöst sein sollte, in den letzten Jahren verändert hat: Zunächst wurden begleitende Maßnahmen für einzelne LehrerInnenentwickelt, zunehmend gab es Fortbildungen für ganze Kollegien oder Einführungsveranstaltungen für die Schülerschaft – heute ist Streitschlichtung im Idealfall ein Baustein im komplexen Veränderungsprozess der Organisation Schule hin zu einem konstruktiven Umgang mit Konflikten. Angesichts der aktuellen politischen Lage, die der Finanzierung von Gewaltprä­ventions- und Streitschlichtungsprojekten keine Priorität einräumt, soll diese Veranstaltung dazu beitragen, das „kleine Pflänzchen der Streitschlichtungskultur“, das an Hamburger Schulen gewachsen ist, durch stärkeren Austausch und Vernetzung zu pflegen.

Ca. 40 interessierte Lehrkräfte und einige Schülerinnen arbeiteten engagiert in Kleingruppen und unter­suchten, was bisher gut läuft und was sich schwierig gestaltet. Die Teilnehmenden hörten interessiert den Berliner Erfahrungen zu, die Dr. Jamie Walker vom MediationsBüro Mitte in Berlin vortrug. Heraus­forderungen für die Schulmediation sind aus ihrer Sicht vor allem: Andere Institutionen einzubinden und Mediation stärker in die Ausbildung von Lehrkräften, ins Studium von Sozialpädagogik, Sozialarbeit und Psychologie zu verankern, Mediation auf den Jugendbereich zu übertragen und mit Konzepten der Ge­meinwesenmediation zu verbinden; Eltern stärker einzubinden, Schulmediation in den breiteren Kontext von einer konstruktiven Konfliktkultur

einzubetten und mit anderen Ansätzen zur Gewaltprävention zu verzahnen sowie Geduld und Ausdauer an den Tag zu legen -  die Etablierung von Schulmediation dauert 3 bis 5 Jahre.

Jamie Walker schließt mit einem Ausblick auf die nächsten 10 Jahre: Schulmediation wird ein fester Bestandteil von Schulen sein und nicht mehr erklärungsbedürftig. An Ausbildungsressourcen und viel­fältigeren Angeboten wird es keinen Mangel geben. Die Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Ansätzen wird zunehmen. Die Konfliktlotsen von heute werden erwachsen und tragen ihr Wissen und ihre Erfahrung weiter - Schulmediation leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Verbreitung von Media­tion in unserer Gesellschaft insgesamt.

Rückmeldungen und Fazit

Viele TeilnehmerInnen begrüßen die Möglichkeit zum Austausch und zur Vernetzung – an diesem Nachmittag wurden bereits erste, ganz konkrete gemeinsame Projekte verabredet. Viele empfinden es entlastend, von anderen Erfahrungen, von Erfolgen, aber insbesondere auch von Schwierigkeiten zu hören. Vor dem Hintergrund der von Jamie Walker berichteten Berliner Entwicklungen wurde deutlich, was für ein „langer Atem“ nötig ist, um Streitschlichtung dauerhaft an Schulen zu implementieren.

Einigkeit besteht darin, trotz knapper personeller und finanzieller Ressourcen dennoch Visionen zu ent­wickeln (internationaler Austausch, Preisgelder etc.). In diesem Zusammenhang gibt es die Anregung an KOMET, Schulen mehr Know-How zu vermitteln, so dass diese in Sachen Sponsoring aktiv werden können. Ein weiterer Wunsch ist ein Forum für den Erfahrungsaustausch zwischen Lehrkräften und SchülerInnen verschiedener Schulen, Schulformen und Altersstufen zum Thema Streitschlichtung.

Moderation einer Zukunftswerkstatt zum Thema „Zivilcourage“

Auf dem europäischen Kongress der FriedenspädagogInnen wurden Zukunftswerkstätten zu diversen Themen angeboten. Aus einer Liste möglicher Themen hatten wir uns das Thema Zivilcourage ausgewählt, weil es uns inhaltlich am nächsten war. Für die Zukunftswerkstatt stand uns ein Tag von 9 bis 18.30 Uhr zur Verfügung. In der Vorbereitung war uns noch nicht bekannt, aus welchen Ländern die TeilnehmerInnen kommen.

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Quinn Dombrowski CC BY-SA 2.0

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Durchführung

Die TeilnehmerInnen unserer Zukunftswerkstatt kamen aus der Schweiz, Schweden, Deutschland, Kanada sowie Südafrika. Die Sprache im Kurs war überwiegend Englisch, wechselte phasenweise ins Deutsche mit Simultanübersetzung durch Silke.

Als Einstieg hatten wir uns ein Zivilcourage-Barometer überlegt, um anschließend zu einer gemeinsamen Definition von Zivilcourage zu gelangen. Daran anknüpfend haben bildeten die klassischen Phasen der Zukunftswerkstatt (Kritik-, Utopie- & Realisierungsphase) den roten Faden. Spannend war dabei die unterschiedlichen Perspektiven, die die TeilnehmerInnen aus ihren Ländern mitbrachten. Die Diskussion war lebendig, stellenweise sehr emotional.

Erfahrung

Auch wenn der Tag nicht mehr als einen kleinen Austausch bringen konnte, war er doch sehr anregend, spannend, interessant und bereichernd. Am schönsten war für mich (Tim) zu sehen, wie Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Herkunft miteinander in Kontakt kamen und gemeinsam an einer Utopie spannen.

Elternfortbildung zum Thema „Eltern-Kind – eine besondere Beziehung“

An einer Grundschule organisieren der Elternrat und die Arbeitsgruppe „Kinder konfliktfähig machen“ in Zusammenarbeit mit der Schulleitung jährlich Abendveranstaltungen, die der Fortbildung und dem Austausch der Eltern dienen. Diese Gruppen traten an uns mit der Bitte heran, einen Abend zum Thema „Kommunikation zwischen Eltern und Kindern“ zu gestalten.

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In einem gemeinsamen Planungstreffen entwickelten wir den Titel „Eltern-Kind – Eine besondere Beziehung“ sowie folgende Fragestellungen für die Veranstaltung:

  • Wie gestalte ich den Kontakt zu meinem Kind?
  • Wie kann ich etwas über die Wünsche und Bedürfnisse meines Kindes erfahren?
  • Wie begegne ich meinem Kind?
  • Welche Wünsche und Bedürfnisse habe ich?
  • Wie bleibe ich im Gespräch mit meinem Kind?
Durchführung

Die Veranstaltung fand am Abend statt. Es nahmen ca. 30 Eltern teil. Nach Begrüßung und Vorstellung des Programms spielten die Trainerinnen einen Mutter-Kind-Konflikt vor. Die Teilnehmerinnen diskutierten, was hinter dem Konflikt stecken könnte. Die vermuteten Wünsche und Bedürfnisse wurden jeweils für die Mutter und das Kind getrennt visualisiert. Anschließend lernten die Eltern und Lehrer das Eisbergmodell kennen.

In Halbgruppen sammelten die Eltern zuerst typische Eltern-Kind-Konflikte, die sie im Alltag beschäftigen, und präsentierten sie anschließend in der Gesamtgruppe. Die Eltern wählten einen exemplari­schen Konflikt aus. Dieser wurde gemeinsam besprochen und die möglichen Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse der betroffenen Personen nach dem Eisbergmodell festgehalten.

Anschließend erfolgte eine Übung in 4er-Gruppen:
Die erste Person erzählte einen kurzen Konflikt, die zweite achtete auf die Sachaussagen/Fakten und gab diese wieder, die dritte Person achtete auf die Gefühle und die vierte auf die Wünsche und Bedürfnisse. Dann wurden die Rollen gewechselt bis jede mal auf jedem der vier Stühle gesessen hatte. Die Erkenntnisse aus den Kleingruppen wurden in den Halbgruppen besprochen.

Abschließend trugen alle Teilnehmerinnen ihrer Ergebnisse im Plenum zusammen und besprachen ihre Erfahrungen aus den Übungen.

Fazit

Die Eltern folgten den Übungen mit sichtlicher Begeisterung, sie diskutierten engagiert und tauschten persönliche Erfahrungen aus. Sie wünschten sich mehr derartige Veranstaltungen. Der Elternrat entwickelte die Idee, einen mehrtägigen Fortbildungsworkshop zu organisieren. Uns hat die Veranstaltung gezeigt, wie wichtig es ist, bei schulischen Veränderungsprozessen die Eltern einzubeziehen. Wenn die Kinder in den Schulen lernen, mit Konflikten besser umzugehen, ist der Erfolg nachhaltiger, wenn sie in ihren Familien die entsprechende Unterstützung finden.

Jahreskongress des Bundesverbands Mediation

Im Herbst 2006 veranstaltete der Bundesverband Mediation (BM) e.V. in Hamburg unter der Schirmherrschaft der Bundesministerin der Justiz, Frau Brigitte Zypries, und dem Präsidenten der Universität Hamburg, Herrn Dr. Dr. hc. Jürgen Lüthje, seinen dritten Mediationskongress. Unter dem maritimen Motto „Frischer Wind für Mediation“ beteiligten sich mehr als 400 Teilnehmende an den Veranstaltungen des dreitägigen Kongresses.

Publikation Jahreskongress

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Fachleute und interessierte Laien konnten konzeptionelle Weiterentwicklungen und methodische Varianten des Mediationsverfahrens in verschiedenen Praxisfeldern kennen lernen, erproben und vielleicht auch neu für sich entdecken. KOMET e.V. war bei diesem Kongress Kooperationspartner des BM und hat sich über zwei Jahre aktiv und maßgeblich an der Vorbereitung und Durchführung beteiligt. Etliche Mitglieder des Vereins waren im Organisationsteam des Kongresses aktiv, z.B. in der Koordination und Leitung des gesamten Teams, in der Planung und Gestaltung des Fach-Programms, bei der Gewinnung der ReferentInnen, in der Gestaltung des Rahmen-Programms und des zentralen Kongressfests, bei der Veröffentlichung des Programmhefts und im Tagungsbüro vor Ort, um nur einige Aufgaben zu nennen.

Frischer Wind für Mediation – wer an den Landungsbrücken in Hamburg über den Elbstrom und den Hafen schaut, braucht über die Bedeutung des Windes nicht lange nachzudenken. Mit dem Blick in die Masten der „Rickmer Rickmers“ erinnert man sich, was die Stadt am Wasser zum „Tor zur Welt“ gemacht hat. Austausch, Erneuerung und Auftrieb – das war es, was auch das Organisationsteam des Kongresses im Kopf hatte, als es das Motto für den Kongress auswählte.

Warum Austausch, Erneuerung und Auftrieb für Mediation? Hat nicht Mediation gerade in den letzten Jahren Auftrieb in Deutschland bekommen? Und ob: Mediation wird in Deutschland zunehmend nachgefragt, sie etabliert sich in Unternehmen, im Gemeinwesen, bei Familienstreitigkeiten – um nur einige Praxisfelder zu nennen. In etlichen Bundesländern wurden Modellprojekte an Gerichten implementiert, um rechtzeitig zu erkennen, was durch Mediation noch im Konsens zu klären ist. Und in den Praxen der MediatorInnen konnten viele Menschen nach der einvernehmlichen Klärung eines Konflikts aufatmen.

Der frische Wind, den wir uns für den Kongress wünschten, pustet nicht um, was bereits etabliert ist -  vielmehr wirbelt er durch neue Gassen, neue Ecken und Winkel dieser Gesellschaft. In diesem Sinne öffnete sich der Kongress über das Fachpublikum hinaus für einen Austausch mit Menschen benachbarter Disziplinen und Länder ebenso wie mit denjenigen, die die Anwendungsmöglichkeiten von Mediation in ihrem Bereich kennen lernen möchten.

Ein Kongress lebt von der Vielzahl der Fachbeiträge in Form von Vorträgen und Workshops und natürlich auch von herausragenden Persönlichkeiten, deren Name für ein Programm steht: Hier sind die Vorträge von Horst-Eberhard Richter, Jay Rothman, Friedemann Schulz von Thun und Renata Bauer-Mehren ebenso zu nennen wie die Podiumsveranstaltung mit der niedersächsischen Justizministerin Heister-Neumann – neben einer Vielzahl von fachkundigen Mediatorinnen und Mediatoren, die die inhaltliche Vielfalt des Kongresses ausmachten.

Einen vertieften Eindruck von der Vielfalt der Beiträge bietet das anschließend veröffentlichte Buch, das u.a. von KoMeT-Mitgliedern herausgegeben wurde und Artikel von KoMeT-Mitgliedern enthält:
Lange, R., Kaeding, P., Lehmkuhl, M. & Pfingsten-Wismer, H. (Hrsg.) (2007). Frischer Wind für Mediation. Konzepte, Methoden, Praxisfelder und Perspektiven der Konfliktberatung. Schriftenreihe des Bundesverbands Mediation (Band 3). [29,50 Euro, im Buchhandel oder über den BM unter www.bmev.de zu beziehen]

Frischer Wind