Ergebnisoffenheit in Trennungsmediationen bewahren – von der Kraft eines inneren Mantras

13. September 2017, geschrieben von 
Ergebnisoffenheit in Trennungsmediationen bewahren – von der Kraft eines inneren Mantras Silke Freitag

Angeregt durch den Beitrag von Sascha, ob wir als Mediator*innen eine geheime Agenda verfolgen, erinnerte ich mich an einen Mediationsauftrag. Dieser hat mich nach vielen Jahren der erfahrungsbasierten Überzeugung: „Trennung ist so manches Mal die allerbeste unter den schlechten Optionen!“ noch einmal in innere Arbeit gebracht.

Ich bekam eine Mediations- Anfrage von einer Band, die sich im Studio derart „zerlegt“ hatte, dass zum einen die Gefahr bestand, dass sie ihr neues Album nicht fertig stellen würde und zum anderen die Frage im Raum stand, ob sie überhaupt gemeinsam weitermachen würden.

Meine spontane innere Reaktion: Natürlich muss ich helfen! Zeitmangel hin oder her! Ich liiiiiiiebe ihre Musik! Und dann: Oh je… was ist, wenn sie sich trennen und ich damit leben muss, dass diese begnadete Band sich ausgerechnet mit meiner Unterstützung aufgelöst hat?

Meine Erkenntnis nach einem Spaziergang: Ich muss mich innerlich sehr gut aufstellen, wenn ich diesen Auftrag annehme! Also: Telefonat mit einem geschätzten Kollegen zur Selbstklärung. Dessen erste Reaktion war durchaus erfrischend: „Von denen hab ich ja noch nie gehört!“ Und später dann: „Du musst also die Band retten, um der Welt diese wundervolle Musik zu erhalten…na, da hast du ja einen Auftrag!“ Wir lachen beide. „Nein, mal ehrlich… gesetzt den Fall, dass sie sich wirklich trennen… es wird doch keiner von denen plötzlich Buchhalter werden! Die werden weiter Musik machen und dann gibt es eben notfalls hinterher zwei großartige Bands… wo bitte ist da das Drama?“

Und siehe da: Plötzlich ist die Ergebnisoffenheit wieder hergestellt. Das Mantra „Sie werden alle keine Buchhalter werden!“ hat mich in den nächsten Wochen immer einmal wieder in dieser Mediation begleitet…

Und um neugierige Fragen vorwegzunehmen: Sie haben ihr Album gemeinsam vollendet, nachdem klar war, dass der Bassist danach die Band verlassen wird.

Letzte Änderung am 13. Oktober 2017
Silke Freitag

… beschäftigt sich als freiberufliche Mediatorin seit über zwanzig Jahren leidenschaftlich mit Konflikten in und zwischen Organisationen sowie im öffentlichen Bereich. Sie vermittelt Handwerk und Kunst der Mediation an der Universität Hamburg, am Institut für Konfliktaustragung und Mediation sowie der KURVE Wustrow. Sie liebt bei alldem die Balance aus Bewährtem und Neuem. Gemeinsam mit geschätzten KollegInnen erprobt sie in Mediation und Ausbildung Neues, verwirft manches und entwickelt anderes weiter. Mit Freude reflektiert sie diese Erfahrungen - sehr gern auch schreibend.

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