Mehr als ein (Einzel-)­Vorgespräch: Ja oder nein? Und wenn ja, mit wem? Eine Variation über „Es kommt darauf an!“

20. November 2018, geschrieben von 

Manche Fragen sind in der Mediationslandschaft echte Dauerbrenner und werden kontinuierlich kontrovers und engagiert diskutiert – es geht dabei in der Regel um grundlegende Prinzipien, Haltung und Handwerkszeug zugleich. Ein solcher Klassiker ist zum Beispiel die Frage, wie ich als Mediatorin damit umgehe, wenn zwischen den Beteiligten offenkundig ein klares Machtungleichgewicht besteht. In welcher Verantwortung sehe ich mich dann, welches methodische Repertoire steht mir zur Verfügung? Dazu passen etwa die Beiträge von Alexander Redlich in diesem Blog über seine Haltung im Umgang mit Situationen in Gruppenkonflikten, in denen es heißt: „Alle gegen einen!“

Ein weiterer solcher Klassiker ist die Frage nach dem Ob und dem Wie von Einzelgesprächen – sowohl während einer Mediation als auch in der Anbahnung und Auftragsklärung einer Mediation. Vor mehr als 10 Jahren – genauer Ende 2006, Anfang 2007 – haben sich dazu Christian Prior und Christoph Thomann, beide Vertreter der Klärungshilfe, auf der einen Seite und Birgit Keydel, Mediatorin, auf der anderen Seite in insgesamt drei Artikel darüber auseinandergesetzt, welchen Sinn Einzelvorgespräche machen und mit wem man sie führt (und mit wem tunlichst nicht). Bei der Rückschau auf diese Auseinandersetzung fallen mir zwei Aspekte besonders auf:

Zum einen wird mir bewusst, wie sehr sich die äußeren Rahmenbedingungen für die Mediationstätigkeit seither verändert haben. Eine Zwischenüberschrift à la „Freiwilligkeit muss nicht sein“, wie sie sich im Ausgangsbeitrag von Thomann & Prior findet, wäre heute wohl nicht mehr so einfach unterzubringen. Gleichwohl ist das Thema der vorhandenen, fehlenden und eingeschränkten Freiwilligkeit nach wie vor ein weiterer Dauerbrenner, der die Kontroverse meines Erachtens sehr lohnt – gerade (aber nicht nur) in betrieblichen Mediationen.

Zum anderen habe ich den Eindruck, dass zumindest ein Teil der Debatte auch dem damals vielleicht noch stärker vorhandenen Anliegen der Klärungshilfe geschuldet war, sich als Verfahren von „der Mediation“ abzugrenzen – während sie mittlerweile ja sogar eine Verortung im größten Mediationsverband gesucht (und gefunden) hat. Meines Erachtens ist heute unstrittig, dass es „die Mediation“ nicht gibt, sondern diverse Schulen und Stile.

Thomann und Prior stellen sich für Aufträge in hierarchisch geprägten Konstellationen in Organisationen auf den Standpunkt, dass ein Einzelvorgespräch ausschließlich mit der ranghöchsten Führungskraft zu führen sei. Eine solche klare und noch dazu knackig formulierte Richtlinie hat ohne Zweifel Charme: Sie gibt Orientierung nach innen und nach außen, sie prägt sich gut ein, sie lässt sich leicht lehren, sie unterstützt zügiges Handeln…  

Und doch: Meine Praxis sieht ganz anders aus. Uneinheitlicher und in gewisser Weise unordentlicher könnte man kritisch sagen, fallbezogener, individueller zugeschnitten könnte man positiv umformulieren. Anstelle einer klaren Positionierung  ist ein entschiedenes „Es kommt darauf an!“ mein innerer Leitstern bei der Entscheidung dieser Gestaltungsfrage. Und wenn ich mich selbst kritisch befrage, worauf genau es mir dabei ankommt, lande ich (jedenfalls Stand heute) mindestens bei den folgenden Aspekten, die teilweise inhaltlich miteinander verbunden sein können.

Für mich kommt es darauf an, …

wie eskaliert der Konflikt bereits ist. Die Länge der Vorgeschichte und die Intensität der Auseinandersetzung wirken nicht selten direkt auf die Bereitschaft der Beteiligten, sich auf eine interessen- und konsensorientierte Klärung einzulassen. Je eskalierter der Konflikt, desto eher neige ich dazu, mir einen eigenen (und sei es einen sehr kurzen) Eindruck von der individuellen Klärungsbereitschaft der Beteiligten zu verschaffen. Und sei es, um zu klären, ob es hier ratsam erscheint, dass die Parteien sich von Vertrauenspersonen begleiten lassen.

wie stark explizite Bedenken gegenüber der Sinnhaftigkeit einer Mediation bestehen. Dies kann, muss aber nicht mit dem Eskalationsgrad eines Konfliktes zu tun haben. Wenn es bisher wenig oder keine Erfahrung mit Mediation gibt oder – auch das begegnet mir in der Praxis immer wieder – wenn es bereits schlechte Erfahrungen mit Mediation gab, haben Beteiligte viele gute Gründe, skeptisch gegenüber der Teilnahme an einer Mediation zu sein. Diese erfahre ich gern, um mich dazu verhalten zu können – sei es, indem ich den Bedenken zustimme und den Auftrag für nicht mediationsgeeignet einschätze; sei es, dass ich gemeinsam mit den Beteiligten überlege, wie diesen Bedenken im Rahmen einer Mediation gut Rechnung getragen werden könnte; sei es, dass ich in Einzelfällen auch Bedenken vollends entkräften kann, da sie auf fälschlicherweise getroffenen Annahmen über die Mediation bzw. die Rolle der Mediatorin fußten.

…wie fraglich die klassischen Rahmenbedingungen einer Mediation erscheinen. Neben der eben schon genannten Bereitschaft zur Teilnahme aller Beteiligten, die möglicherweise nicht oder nur sehr eingeschränkt vorhanden ist, können weitere Rahmenbedingungen unsicher sein. Das betrifft beispielsweise die Frage, ob jemand, der nach langer Krankheit an den Arbeitsplatz zurückkehrt, ausreichend belastbar ist, um an der Mediation teilnehmen und für die eigenen Belange einstehen zu können. Oder es ist unklar, inwiefern alle Beteiligten ergebnisoffen in das Verfahren gehen - etwa, weil die Mediation eben einfach erst absolviert werden muss, bevor das eigentliche Ziel einer (ggf. auch gerichtlich durchgefochtenen) Trennung angestrebt werden kann. Ein Kurzkontakt mit den Beteiligten bietet mir dann überhaupt erst die Chance, eine Intuition zu entwickeln, ob es derartige,  potentiell heikle „hidden agendas“ in dieser Mediation geben könnte (und hier ausführlicher zu Haltung zu und Umgang mit „hidden agendas“).

…wie (un-)klar die Vorstellungen darüber sind, wer idealerweise an einer Mediation teilnimmt (und wer nicht). Konflikte in Organisationen sind – dies habe ich von Alexander Redlich gelernt – üblicherweise schlecht definiert. Zu dieser schlechten Definition gehört nicht selten eine Unklarheit über diejenigen, die für eine Klärung an den Tisch gehören. Um diese Frage zu klären, kann bisweilen ein einziges Vorgespräch mit dem Auftraggeber genügen. Doch wenn dieser ebenfalls unsicher ist, kann es lohnend sein, als Mediatorin in diese Erkundung einzusteigen.

Die Bedenken, die Thomann und Prior gegen (zu ausführliche bzw. zu viele) Einzelvorgespräche ins Feld führen, finde ich sämtlich relevant: Die Mediatorin solle vorab inhaltlich möglichst wenig im Bilde sein, um wesentliche Inhalte in der eigentlichen Klärung „mit jungfräulichen Ohren“ in Anwesenheit aller aufnehmen und nachvollziehen zu können. Ein inhaltlicher Einstieg im Vorgespräch beinhalte das Risiko, in der eigentlichen Mediation relevante Emotionen quasi nur noch als „zweiten Aufguss“, in abgeschwächter Form mitzubekommen und damit eine relevante Klärungskraft zu verringern. Es bestünde das Risiko, Geheimnisse anvertraut und damit in der eigenen Handlungsfreiheit eingeschränkt zu werden. Durch die individuell entstehende Nähe zu den Einzelnen drohe Verstrickung mit dem Konfliktsystem – ebenfalls ungünstig für ein freies und mutiges Agieren als Mediatorin.

Für meine Praxis bedeuten diese Bedenken jedoch kein kategorisches Nein zu mehr als einem Einzelvorgespräch. Die Bedenken sollten im Einzelfall in der konkreten Ausgestaltung von Einzelgesprächen insofern berücksichtigt werden, dass diese Gespräche eher kurz und eindeutig an der Klärung von fraglichen Bedingungen für die Mediation ausgerichtet sind statt mich inhaltlich zu involvieren.

Je nach Fall formuliere ich insofern, ob Einzelvorgespräche aus meiner Sicht sinnvoll oder sogar notwendig – im Sinne einer meiner Bedingungen für die Übernahme des Auftrags – erscheinen. Darüber hinaus gibt es Fälle, in denen die Beteiligten selbst auf einzelne Vorgespräche bestehen. Und schließlich kenne ich Konstellationen, insbesondere bei Organisationen, die ein recht differenziertes Konfliktmanagement entwickelt haben, in denen diese Einzelvorgespräche als üblicher Bestandteil der Schnittstelle zwischen organisationsinterner Auftragsvorklärung und externer Auftragsübernahme definiert sind.

Haben Sie die eine klare Position? Oder worauf kommt es für Sie an?

Quellen:

Wer die damalige Kontroverse nachlesen und nachvollziehen möchte, kann dies über die von Christian Prior auf seiner Internetseite zum Download zur Verfügung gestellten Artikel tun:

Thomann, C. & Prior, C. (2006). Vorgespräche – mit wem und mit wem nicht? Wirtschaftsmediation: Was macht die Klärungshilfe anders? Zeitschrift für Konfliktmanagement, 5, S. 136-140. Verfügbar als Download
Keydel, B. (2007). Ein Pro und Contra für Vorgespräche. Ein Diskussionsbeitrag und zugleich Erwiderung auf Thomann/Prior. Zeitschrift für Konfliktmanagement, 2, S. 46-48. Verfügbar als Download
Thomann, C. & Prior, C. (2007). Eine Antwort auf Birgit Keydel. Zeitschrift für Konfliktmanagement, 2, S. 49-50. Verfügbar als Download

Letzte Änderung am 15. Januar 2019
Kirsten Schroeter

… hat es beruflich mit Konflikten in Organisationen und Unternehmen zu tun, aus Überzeugung nicht auf eine Branche spezialisiert, sondern auf die Qualität der fachlichen und zwischenmenschlichen Zusammenarbeit und der Kommunikation. Sie bildet Menschen in Konfliktberatung und Mediation aus. Und mischt bei der Weiterentwicklung des Berufs „Mediatorin“ mit – vernetzend (in der Regionalgruppe Hamburg im Bundesverband Mediation) und schreiberisch (Mitherausgeberin der „Interdisziplinären Studien zu Mediation und Konfliktmanagement“ bei Nomos sowie Mitherausgeberin der „Viadrina Schriftenreihe zu Mediation und Konfliktmanagement“ bei Metzner).

3 Kommentare

  • Kommentar-Link Oliver Lokay 16. Januar 2019 gepostet von Oliver Lokay

    Danke für diesen Beitrag, den ich ausgewogen und gelungen finde. Ich teile sehr die Einschätzung, dass es als Antwort auf die einleitende Frage nur ein entschiedenes „kommt darauf an“ geben kann.

    Besonders gefreut hat mich im letzten Absatz die Beleuchtung der Tatsache, dass es in Organisationen derweil mehrstufige Konfliktmanagement-Systeme mit differenzierten Rollen gibt (Selbstverantwortung, Führung, Information, Fachberatung, interne und externe Moderation/Mediation…). Und das dies eine Relevanz hat für das Thema Vorgespräche. Dazu möchte ich einen Aspekt beitragen, der vielleicht zum weiteren Dialog anregt.

    In meiner beruflichen Rolle (ich gehöre zu denen, die als interne Fachstelle ggfls. externe Mediator*innen ins Unternehmen vermitteln bzw. empfehlen) ist es von entscheidender Bedeutung, dass externe Mediator*innen „anschlussfähig“ sind. D.h. selbstverständlich ist der/die Kolleg*in ab Beauftragung unabhängig tätig, aber ich lege schon Wert darauf, dass meiner Vorarbeit ein gewisses Zutrauen entgegen gebracht wird.
    Soll heißen: wenn ich als Fachperson ein Thema „übergebe“ mit der Information, dass Vorgespräche stattgefunden haben und das die Beteiligten ein realistisches Bild bekommen und in der Folge einer Mediation zugestimmt haben, dann muss das reichen. Es wäre nicht im Sinne effizienter Arbeit, wenn dies erneut erfolgen würde. Von einem versierten Mediator erwarte ich dann schon die Fähigkeit zum „etwas steileren Einstieg“.

    Aber vielleicht ist das auch nicht das Problem. Vielmehr ist es ja so, dass das Vertrauen erfordert. Von beiden Seiten. Als interner Vermittler muss ich darauf vertrauen, dass Mediator*in ab dem Punkt der Übergabe in der Unabhängigkeit sauber, fachgerecht und im gegebenen Rahmen arbeitet. Als externe/r Mediator*in muss ich darauf vertrauen, dass die interne Stelle ihrerseits in der Zuwegung sauber und fachgerecht gearbeitet hat.

    Vielleicht ist das ein Teil des Themas neben der fachlichen Abwägung: Menschen, die es sehr gewohnt sind, Dinge umfassend selbst zu tun, sind in diesem Fall (hintereinander) arbeitsteilig unterwegs.

    Daher favorisiere ich eine Pool-Lösung, in der die Beteiligten dazu bereit sind und sich in aller Unabhängigkeit fachlich doch kennen und schätzen. Hier merkt man recht flott, wenn das im Einzelfall nicht so ist – und dann verlassen Menschen den Pool oder werden eben nicht mehr darin geführt und empfohlen. Kein Beinbruch, nicht alles passt zueinander.

  • Kommentar-Link Alexander Redlich 17. Januar 2019 gepostet von Alexander Redlich

    Oliver Lokays Verweis auf das gegenseitige Kompetenzvertrauen zwischen Internen und Externen ist sehr wichtig, finde ich; und zugleich ein professionelles Sicherheitsbestreben. Vertrauen in eine kompetente Vorbereitung der Konfliktparteien auf die Mediation durch Interne kann fruchtbar mit einer differenzierten Absicherung des Arbeitsbündnisses durch Externe gekoppelt werden; auch dann, wenn man eine langjährige gute Zusammenarbeit etabliert hat. Ich empfehle daher eine Absprache zwischen Internen und Externen im Sinne einer „überlappenden“ Kooperation unter dem Motto „doppelt hält besser“. Alle Beteiligten können eine solche überlappende Zusammenarbeit mit der Bedeutung des Konfliktes und seiner Lösung begründen: “Ich weiß, dass Sie schon die Ausgangssituation besprochen haben. Dennoch: Lassen Sie uns noch mal genauer hinschauen…“ – „Ich empfehle eine Klärungsschleife, damit auch alle wissen…“ - "Sie werden vom Mediationsteam sicher noch mal detaillierter danach gefragt werden." o.ä. Dies ist besonders wichtig, wenn es sich um Konflikte in und zwischen Gruppen handelt, weil es da ja oft extrem diffuse Konflikt- und damit auch Auftragslagen gibt. Aus meiner Sicht kann diese – wie gesagt abgesprochene – Überlappung auch gegenseitiges Metavertrauen stärken, wenn Interne und Externe sich (in einer gewissen Bescheidenheit gegenüber der Realität) darüber verständigen, dass die Komplexität solcher Konflikte (inkl. der Dynamik der verschiedenen Bereitschaften der Beteiligten zur Konfliktarbeit) von unseren konfliktanalytischen Konzepten nicht hinreichend erfasst werden kann und daher die Mehrperspektivität als Annäherungshilfe braucht.
    Überdies möchte ich im Hinblick auf die Frage der Vorgespräche mit den Konfliktparteien noch einen mir wichtigen Aspekt hervorheben. Ich bin der Klärungshilfe sehr zugetan und halte sie für einen der wichtigsten genuin deutschsprachigen Beiträge zur Mediation. In dieser Frage folge ich allerdings eher Birgit Keydel, deren Gedanken - auch zu anderen Themen - ich ebenfalls sehr schätze.
    Meine Überlegungen beruhen auf der Arbeit mit Konflikten innerhalb oder zwischen Gruppen: Ich gestehe mir ein, dass ich mich in der aufgeheizten oder gefrorenen Gruppendynamik einer Konfliktgruppe, mit deren KontrahentInnen ich vorher k e i n e n Kontakt hatte, fast immer innerlich nicht sicher und frei handlungsfähig erlebe, weil meine spontane Einfühlung nicht gut funktioniert. Das ist kein Wunder, habe ich doch die mir "fremden" KontrahentInnen erst vor wenigen Minuten oder Stunden kennengelernt. Meine Synapsen bräuchten aber noch einen Nachtschlaf und das visuelle Wiedererkennen der dann "bekannten" Personen. Überdies verdecken die KontrahentInnen in einer solchen Situation ebenso systematisch wie gekonnt den Einblick in ihre innere Welt und zeigen nur, was die andere Konfliktpartei verstehen darf. Die schwierige mediative Kernarbeit für gegenseitiges Verstehen bei der Erhellung der Hintergründe bzw. im Dialog der Wahrheiten belegen dies. Ich habe für mich gelernt: Wenn ich die Kontrahenten und ihre Ziele für die Mediation nicht kennengelernt habe, dann macht mich das Gefühl der Erfüllung des sehr fundiert begründbaren Handlungsimperativs "Nur mit dem Obersten vorher sprechen!" nicht fitter, sondern setzt meine intuitiv-spontanen Kompetenzen als Mediationskraft eher herab, weil ich zusätzlich mit der Bewältigung meiner mangelnden Einfühlung und Unsicherheit beschäftigt bin. Zuallererst muss ich mit mir im Einklang sein. Ich vereinbare daher Vorgespräche, wenn nicht überzeugende Gründe dagegen sprechen. Wenn nicht einmal telefonische Vorgespräche möglich sind, überweise ich lieber weiter. Denn: Diese Überlegungen gelten nur für mich. Andere sind eher angezogen von neuen Situationen mit unbekannten Menschen und laufen dann zu ihrer mediativen Höchstform auf. Es handelt sich wohl um eine ziemlich stabile Persönlichkeitseigenschaft. Jede/r sollte herausfinden, was für sie/ihn passt.

  • Kommentar-Link Kirsten Schroeter 15. Oktober 2019 gepostet von Kirsten Schroeter

    Besten Dank für die Kommentierungen, Oliver und Alexander, die mit ihrer Dichte, ihrer Differenziertheit, mit ihrem Gehalt weit über den Charakter eines Kommentars hinausgehen - ich empfinde beide Perspektiven als richtiggehende Erweiterungen, im Grunde sind es eigenständige Blogbeiträge; wunderbar!

    Da ist zum einen der Fokus auf das feingliedrige und vielschichtige Zusammenspiel von interner Fachstelle einer Organisation, die Aufträge (vor-)klärt und nach außen vergibt - an Mediator/-innen, die auf Basis dieser Klärung stimmig einsteigen und eben nicht von "Null", aber zwangsläufig ja eben doch anfangen... im besten Fall nicht nur getragen von wechselseitigem Vertrauen, Zutrauen und Wohlwollen (wobei nichts davon trivial ist), sondern auch von wechselseitiger Kenntnis von Arbeitsweise und Anspruch an das eigene Agieren. Und nicht zuletzt mit einer Haltung von "selbstbewusster Bescheidenheit", aus der jeweiligen Perspektive einen wichtigen Beitrag leisten zu können - und dabei doch begrenzt zu sein. Das Bild der "überlappenden Kooperation" gefällt mir dafür ausgesprochen gut - und es macht deutlich, dass die Einführung eines Mediatorenpools eine recht anspruchsvolle Angelegenheit sein kann.

    Da ist zum anderen der Fokus auf die ganz persönliche Seite der Positionierung in dieser fachlichen Frage der Einzelvorgespräche. Wie bin ich als Mediatorin gestrickt? Was liegt mir? Was setzt mich (unnötig) unter Druck? Wie sichere ich mir eine größtmögliche Handlungsfreiheit, um die Parteien im eigentlichen Mediationsprozess bestmöglich wahrnehmen und unterstützen zu können?

    Beide Perspektiven empfinde ich als weitere gute Gründe für das entschiedene "Es kommt darauf an!"...

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