Silke Freitag

Silke Freitag

… beschäftigt sich als freiberufliche Mediatorin seit über zwanzig Jahren leidenschaftlich mit Konflikten in und zwischen Organisationen sowie im öffentlichen Bereich. Sie vermittelt Handwerk und Kunst der Mediation an der Universität Hamburg, am Institut für Konfliktaustragung und Mediation sowie der KURVE Wustrow. Sie liebt bei alldem die Balance aus Bewährtem und Neuem. Gemeinsam mit geschätzten KollegInnen erprobt sie in Mediation und Ausbildung Neues, verwirft manches und entwickelt anderes weiter. Mit Freude reflektiert sie diese Erfahrungen - sehr gern auch schreibend.

Angeregt von Mettes Blog-Beitrag über das systemische Konsensieren möchte ich ihre Begeisterung teilen: Ja. Eine wirklich enorm hilfreiche Methode, denn sie lädt nicht nur den Widerstand ein, sondern nimmt die Teilnehmenden in die Verantwortung, nicht nur binär zu entscheiden, ob eine Idee gut oder schlecht ist, sondern lässt Raum für Zwischentöne. Begeistert bin ich außerdem davon, wie schnell diese Methode zielführend ist.

Viele ausgebildete Mediator*innen arbeiten mittlerweile überaus erfolgreich als interne Konfliktberater*innen im eigenen Unternehmen oder in Hochschulen und Verwaltungen. Einige von ihnen sind Führungskräfte, die ihre Kompetenzen darüber hinaus im eigenen Team gewinnbringend einsetzen, wenn sie Konflikte im Team klären. Meistens findet dies nicht unter dem Label der Mediation statt, sondern als "moderiertes Gespräch" oder "Klärungsgespräch". Soweit, so hilfreich.

Hierbei scheint es mir jedoch eine Konstellation zu geben, die ein besonders hohes Eskalationsrisiko bei interner Vermittlung mit sich bringt: Wenn eine Führungskraft in einem Konflikt zwischen untergeordneter Führungskraft und Mitarbeiterin vermittelt.

Im letzten Frühherbst saß ich in der Beratung einer Geschäftsführerin, die einschneidende Veränderungen für ihre Organisation plante: Sie wollte den Teams in ihren Bereichen mehr Eigenverantwortung geben. Ich schätze die Geschäftsführerin als eine Frau, die sehr klar kommuniziert, die ihre Mitarbeiter*innen zu begeistern und motivieren vermag, Widerstände ernst nimmt und sich nicht scheut, sich wirksame Unterstützung von außen zu organisieren. Optimale Bedingungen für einen Veränderungsprozess also…

Ein angeregter Kneipenabend mit einer Kollegin. Sie arbeitet seit Jahrzehnten als Mediatorin und bildet fast genauso lange Mediator*innen aus. Als sie mir erzählte, dass sie noch nie selbst als Mediandin an einer Mediation beteiligt war, hätte ich ihr vor lauter Überraschung fast mein Bier ins Gesicht geprustet. Wie bitte?! Als sie mir auch noch versicherte, dass sie damit nun wirklich nicht allein sei, sondern die Ausbilder*innen, die selbst Erfahrung als Mediand*innen hätten, ihrem Eindruck nach sogar in der Minderzahl seien, war ich erst einmal sprachlos.

Seit einigen Jahren mediiere ich im öffentlichen Bereich. Meist werde ich gerufen, wenn der Konflikt auch medial bereits Wogen geschlagen hat und dementsprechend sind die öffentlichen Veranstaltungen nicht nur seitens der Bevölkerung, sondern auch seitens der Presse beim Auftakt durchaus gut besucht. Es scheint eine deutliche Korrelation zu geben: Je eskalierter der Konflikt, desto mehr Pressevertreter*innen kommen.

Bei vielen gehörten Worten rattert in den Köpfen unbewusst sofort eine Assoziations- und Interpretationsmaschinerie los… Als Psychologin mache ich mir bewusst, dass sofort bestimmte „frames“ getriggert werden: Worte können so blitzschnell zu empfundenen Abwertungen, Verharmlosungen oder Diskriminierungen werden. Für mich als Mediatorin bedeutet dies, insbesondere bei eskalierten, identitätsbasierten Konflikten meine Worte sehr bewusst zu wählen, um im Sinne der Wahrung meiner Allparteilichkeit möglichst für alle Beteiligten neutrale Formulierungen zu nutzen.

Angeregt durch den Beitrag von Sascha, ob wir als Mediator*innen eine geheime Agenda verfolgen, erinnerte ich mich an einen Mediationsauftrag. Dieser hat mich nach vielen Jahren der erfahrungsbasierten Überzeugung: „Trennung ist so manches Mal die allerbeste unter den schlechten Optionen!“ noch einmal in innere Arbeit gebracht.