"Es war das Erbstück meiner Mutter, aber er hat nicht mal Danke gesagt".

 

Es kann ein teuflischer Pakt sein: Auf der einen Seiten ein Wohltäter, der großherzig, zugleich nicht immer selbstlos, Gutes tut. Auf der anderen Seite der Beschenkte und Nutznießer, der vielleicht nichts von seinem Glück ahnend ungefragt beschenkt wird. Mit jedem Akt der Schenkung wird ein weiterer Beziehungsstrang geknüpft. Meist bleibt im Dunklen, welche Konsequenzen aus der Schenkung folgen. Was empfindet und erwartet der Schenkende? Eine Gegenleistung? Dankbarkeit? Freude? Oder erfreut ihn allein seine eigene Großherzigkeit? Wie reagiert der Beschenkte? Freudig und dankbar für diese nette und großzügige Aufmerksamkeit, die Ausdruck und Wertschätzung der guten Beziehung ist? Oder schnürt es ihm die Kehle zu angesichts des ungewollten Geschenks und den damit einhergehenden Verpflichtungen?

Selten wird explizit ausgesprochen, welche Erwartungen mit der Annahme des Geschenkes verbunden sind, gehört doch gerade der Moment der Überraschung zu einem gelungenen Geschenk. Oftmals befeuern später solche unausgesprochene, nicht erwiderte Erwartungen einen Konflikt. Wer mag schon ausdrücklich einfordern, dass der Beschenkte sich doch bitte dankbar zeigen solle. Zeigt sich "echte" Dankbarkeit nicht gerade darin, dass sie ungefragt und von Herzen kommt? Wer ein Geschenk annimmt, sieht sich schnell zu Dank verpflichtet. Und doch traut sich kaum einer, ein liebgemeintes Geschenk mit dem Hinweis zurückzuweisen, dass es ihm mehr Last und Bürde sei. Es ist und bleibt ein heikles Spiel: Gelingt der Akt der Schenkung, ist er Ausdruck einer besonderen Wertschätzung. Misslingt er, kann er die freundschaftliche Verbindung belasten und in Frage stellen. Die Schenkung ist dann nicht Ausdruck einer geteilten, gegenseitigen Wertschätzung, sondern vielmehr Symbol unterschiedlicher Erwartungen.

In der Mediation beschäftigen uns diese nicht erfüllten Erwartungen immer wieder - der Vorwurf der Undankbarkeit steht schnell im Raum. Nicht selten fordern dann Konfliktparteien Dankbarkeit ein, als hätten sie einen Rechtsanspruch darauf - den sie zuweilen tatsächlich haben. Mehr dazu demnächst in einem weiteren Beitrag. Bleibt diese aus, folgen Enttäuschung, Frust und Verbitterung - und eben hin und wieder auch eine Mediation.

Unter Konfliktparteien gibt es oft einen Konsens, dass einem für ein Geschenk Dankbarkeit zusteht. Diese stillschweigend geteilten Norm ist den wenigsten bewusst und wird selten hinterfragt. Für den Beschenkten ist dies häufig eine ambivalente Sache: Verspürt er doch die Verpflichtung sich dankbar zeigen zu müssen, ohne selbst Dankbarkeit zu empfinden.  Hier Licht ins Dunkel zu bringen, Erwartungen des Dankes zu beleuchten, unschöne Wahrheiten zu benennen, ist dann Aufgabe der Mediation.

Konflikte entstehen oft dann, wenn sich Menschen so unterschiedlich verhalten, dass Verwirrung, Unklarheiten und damit Unsicherheiten entstehen. Häufig lösen wir genau solche Konflikte, indem wir „mehr vom Gleichen“ anbieten, wodurch sich der Konflikt im Zweifel nur verhärtet. Konflikten kann der Wind aus den Segeln genommen werden, wenn wir uns von den Vorstellungen „so rede ich“ oder „so bin ich“ entfernen und in der Folge anders kommunizieren.

Die Amerikanerin Virginia Satir ist bekannt für ihre Arbeit als Familientherapeutin. Sie beschreibt in einem von ihr entwickelten Kommunikationsmodell vier Kommunikationshaltungen, die – so Satir – in jeder Familie vertreten werden:

  1. Beschwichtigen
  2. Anklagen
  3. Rationalisieren und
  4. Ablenken.

Bei vielen gehörten Worten rattert in den Köpfen unbewusst sofort eine Assoziations- und Interpretationsmaschinerie los… Als Psychologin mache ich mir bewusst, dass sofort bestimmte „frames“ getriggert werden: Worte können so blitzschnell zu empfundenen Abwertungen, Verharmlosungen oder Diskriminierungen werden. Für mich als Mediatorin bedeutet dies, insbesondere bei eskalierten, identitätsbasierten Konflikten meine Worte sehr bewusst zu wählen, um im Sinne der Wahrung meiner Allparteilichkeit möglichst für alle Beteiligten neutrale Formulierungen zu nutzen.

Um ein zweites Mal auf Mettes Beitrag über die „nützlichen Missverständnisse zurückzukommen: Das zweite Modell, welches mir hier direkt in den Sinn kam, war natürlich das Kommunikationsquadrat von Friedemann Schulz von Thun - auch bekannt als Vier-Ohren-Modell. Es ist ein wunderbares Denkwerkzeug für die 'detektivische' Kommunikationsarbeit und hilft, Missverständnissen auf die Spur zu kommen. Jede Aussage kann ich mit vier Ohren empfangen und verstehen. Je nachdem, wie ich sie verstehe, werde ich unterschiedlich reagieren.

Herr Meyer platzt gleich zu Beginn einer Mediation heraus: „Themen sammeln? Wozu das denn jetzt? Ich hatte Ihnen doch schon vorab eine Themenliste geschickt. Darüber müssen wir heute sprechen!“

Als Mitglied des Redaktionsbeirates der Zeitschrift „Konfliktdynamik. Verhandeln, Vermitteln und Führen in Organisationen“  bin ich für die Planung der Rezensionsrubrik verantwortlich. Regelmäßig trudeln daher Pressemitteilungen über (vermeintlich) fachlich relevante Neuerscheinungen aus dem Feld der innerbetrieblichen Konfliktbearbeitung bei mir ein, meist mehr oder minder informative und werbende Texte. Vor einiger Zeit fiel eine Pressemitteilung des Springer Verlags aus dem Rahmen des Üblichen – und das lag wohl nicht zuletzt am angepriesenen Buch mit dem Titel „Schwierige Menschen am Arbeitsplatz. Handlungsstrategien für den Umgang mit herausfordernden Persönlichkeiten“ (von Heidrun Schüler-Lubienetzki und Ulf Lubienetzki).

Der Anfang ist immer das Entscheidende; hat man's darin gut getroffen, so muß der Rest mit einer Art von innerer Notwendigkeit gelingen…


(Theodor Fontane)

Es gehört zum Alltag einer Mediatorin bei Anfragen nach Mediation relativ zügig und unvermittelt recht viel von einer mir gerade noch unbekannten Person zu erfahren. Jemand ruft mich an, weil er auf der Suche nach Unterstützung in einem Konflikt ist. Er hat vielleicht länger überlegt, ob Mediation das richtige sein könnte. Hat recherchiert, wer dafür in Frage kommen könnte – oder eine Empfehlung eingeholt. Hat innerlich schon formuliert, was er sagen und fragen möchte. Ich als Mediatorin bin gerade mittendrin in irgendeiner Aufgabe in meinem Büro, wenn das Telefon klingelt. Und dann ist da oft ein großes Mitteilungsbedürfnis – zu erzählen, was passiert ist, was einen belastet und was den Konflikt so schwierig, ja unerträglich macht. Zu fragen, ob und wie Mediation hilfreich sein könnte. Rat zu erhalten, wie denn die andere Person für eine Mediation gewonnen werden könnte. Dann gilt es, eine gute Balance aus „Ins-Gespräch-Kommen“ und „Nicht-Zuviel-Erfahren“ miteinander zu finden.

Kommunikation ist eine Reihe mehr oder weniger nützlicher Missverständnisse.
(Steve de Shazer)

Viele Konflikte entstehen wegen Missverständnissen in der Kommunikation. Sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich verstehen wir manchmal Aussagen anders als sie gemeint sind, und solche Missverständnisse können sich leicht zu Konflikten entwickeln. Wir hören nicht immer das, was tatsächlich gesagt wird, weil wir unterbewusst das Gesagte mit unseren eigenen Wahrnehmungen und Stimmungen vermischen. Hierdurch kann es einen ganz anderen Sinn bekommen als eigentlich gedacht, und so können neutrale oder sogar freundlich gemeinte Aussagen als provozierend, verletzend oder abwertend empfunden werden, je nach unbewusster Deutung der Empfänger.