Sascha Kilburg

Sascha Kilburg

… ist mit Kilburg Consulting selbstständig und als Coach, Teamentwickler und Mediator unterwegs. Menschen im Dialog zu begleiten, denen inner- und zwischenmenschlichen Herausforderungen bei der Bewältigung von beruflichen Aufgaben im Wege stehen, spiegelt sein Selbstverständnis wider. Er mag es, seine Arbeit einem kritischen Blick zu unterwerfen, Neues zu erlernen und Erlerntes zu teilen. Als Autor von Fachartikeln und E-Learning-Trainings beschäftigt er sich mit den Themen Kommunikation, Beratung und Mediation. In seinen 10 Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Hamburg lag sein Forschungsschwerpunkt auf der Vermittlung von Kommunikation und Beratung - digital wie analog.

Als Mediator und Ausbilder kenne ich die Problematik: Wie kommt man eigentlich an Konfliktfälle? Große Mediationsverbände fordern für die Anerkennung von Mediatoren in ihren Standards vier Mediationen. Wer sich ab dem 1. September 2017 "zertifizierte/r Mediator/in" nennen will, ist verpflichtet, bis spätestens zwei Jahre nach dem Zertifizierungszeitpunkt insgesamt fünf Fälle mediiert und in Supervision reflektiert zu haben. Für frisch gebackene MediatorInnen stellt diese scheinbar kleine Hürde einen realen Stolperstein dar, an dem nicht wenige scheitern.

Im Rahmen einer Weiterbildung eines Hamburger Mediatorennetzwerks warf Alexander Redlich unter dem Schlagwort „Entflechtung“ einen kritischen Blick auf das versteckte Versprechen der Mediation: Verbesserung und Wiederherstellung der Kooperationsfähigkeit zwischen den Konfliktparteien. Weisen viele Mediationsansätze eine Schlagseite auf, die über die Klärung von Interessen, Hintergründe und Wertvorstellungen die Wiederherstellung einer guten Beziehung verfolgt?

Das Telefon klingelt. Eine Arzthelferin meldet sich und schildert mir den Konflikt zwischen ihren Kolleginnen und den beiden Ärzten der Praxis. Hochproblematisch sei das Verhalten ihrer Chefs, vor allem das von Herrn Müller. Darunter hätten sie alle zu leiden. Sie hätten bereits mit Herrn Virchow, dem zweiten Arzt, gesprochen, der aber habe mit Unverständnis reagiert und wolle es sich mit seinem Kollegen wohl auch nicht verscherzen. Sie sei vom Team nun ausgewählt worden, um hier was zu unternehmen. Das Team sei bereit, konstruktiv mit den beiden zu sprechen, und man habe hier an eine Mediation gedacht, da Herr Müller so schwierig im Umgang sei.

Angeregt durch Mettes Text über die „nützlichen Missverständnisse, sind mir zwei Modelle eingefallen, die mir in meiner Arbeit hilfreich sind. In ihrem Beitrag beschäftigt sie sich mit der Frage: „Was bei Missverständnissen sonst noch gemeint sein könnte?“ Wenn ich selbst dieser Frage nachgehe, um dem Geheimnis eines Missverständnisses auf die Spur zu kommen, hilft mir ein weiteres Denkmodell.

Um ein zweites Mal auf Mettes Beitrag über die „nützlichen Missverständnisse zurückzukommen: Das zweite Modell, welches mir hier direkt in den Sinn kam, war natürlich das Kommunikationsquadrat von Friedemann Schulz von Thun - auch bekannt als Vier-Ohren-Modell. Es ist ein wunderbares Denkwerkzeug für die 'detektivische' Kommunikationsarbeit und hilft, Missverständnissen auf die Spur zu kommen. Jede Aussage kann ich mit vier Ohren empfangen und verstehen. Je nachdem, wie ich sie verstehe, werde ich unterschiedlich reagieren.

Herr Meyer platzt gleich zu Beginn einer Mediation heraus: „Themen sammeln? Wozu das denn jetzt? Ich hatte Ihnen doch schon vorab eine Themenliste geschickt. Darüber müssen wir heute sprechen!“

Diese Woche habe ich mit Kollegen an einem neuen Ausbildungscurriculum zur Mediation in Gruppen gearbeitet. Wir sammelten Methoden und Interventionen, die wir nutzen und im Rahmen von Weiterbildung vermitteln. Im Laufe des Prozesses hatte ich eine kleine Erkenntnis, die ich hier gerne teilen möchte. 

"Als Mediator darf nicht tätig werden, wer vor der Mediation in derselben Sache für eine Partei tätig gewesen ist. Der Mediator darf auch nicht während oder nach der Mediation für eine Partei in derselben Sache tätig werden." 

§3, Absatz 3, MediationsG

Klar und deutlich schreibt der Gesetzgeber hier vor, dass wir als Mediatoren in einem Streitfall nicht für nur eine Konfliktpartei tätig sein dürfen – weder davor, während, noch nach der Mediation. Die Allparteilichkeit wurde vom Gesetzgeber als hohes Gut der Mediation festgeschrieben.

"Ich bin nicht Mr. 150%. Ich mache die Dinge auf meine Art: Ausreichend sorgfältig und eben effizient!" Immer wieder bekomme ich diesen Satz von dem Unternehmensgründer Herrn Weinheim zu hören, nachdem sein Partner das Thema "Sorgfalt" angesprochen hatte. Es wirkt so, als müsse er mich davon überzeugen, als dürften auf gar keinen Fall Zweifel aufkommen. Er wiederholt sein Statement wie ein Mantra.

Sommer 2014 

Ein lauschiger Sommerabend, ein kleines Café im Herzen von Altona und drei Mediatoren mit einer fixen Idee: Ein Blog soll es werden. Ein Blog zum Thema Mediation. Wir, das sind Kirsten, Alischa und Sascha. Während uns eine leichte, erfrischende Hamburger Brise um die Ohren weht, überlegen wir, wie wir unserer Idee Leben einhauchen. Schnell wird uns klar, Spaß soll es machen – uns und anderen, neugierig sind wir, über den Tellerrand zu schauen, und Mitteilungsfreude bringen wir auch mit. Themen rund um die Mediation, die uns bewegen, sollen diesen Blog füllen. Reicht das, um ein solches Projekt zu starten? Schnell wird uns klar, dass da jede Menge Arbeit auf uns zukommt.